Bild von Наталья Коллегова auf Pixabay

Als ich den Blog “Brotgelehrte” 2012 startete, war meine ursprüngliche Idee, das Buch „Berufe für Historiker“ (Stuttgart: Kohlhammer 2010) mit aktuellen Links und Informationen zu begleiten. Aus meiner Rolle als Lehrende, Studienberaterin und Wissenschaftsmanagerin heraus wollte ich auf einen Studierendenwunsch reagieren, nämlich Informationen und Orientierung im Berufsfindungsprozess bieten, insbesondere in den Themen, für die Hochschulen zu der Zeit noch nicht immer die Ressourcen hatten: Wechsel in die Wirtschaft, geisteswissenschaftliche Berufe mit BA-Abschluss, Ermutigungskultur. Ich folgte den Fragen

  • Wohin gehen Absolvent*innen der Geistes- und Kulturwissenschaften nach dem Studium wirklich? So viele Archivare, geisteswissenschaftliche Bibliothekarinnen und Wissenschaftsjournalisten gibt es ja nicht.
  • Welche praktischen Probleme gibt es?
  • Welche Anforderungen bestehen von Seiten des Arbeitsmarktes?
  • Wie “funktioniert” die Selbstständigkeit von Geistes- und Kulturwissenschaftler*innen?

Inzwischen gibt es eine ganze Reihe von Hilfestellungen, Informationsdiensten, Blogs, und auch viele Universitäten und Fakultäten sind mit Blick auf die Berufsorientierung der Absolvent*innen professioneller aufgestellt als noch vor acht Jahren. Insofern ist es richtig schön, zu sehen, dass sich “Brotgelehrte” in einem dynamischen Feld befindet.

Darum veränderte sich auch die Ausrichtung und inhaltliche Füllung von “Brotgelehrte” immer wieder. Darüber hinaus bemerkte ich auf persönlicher Ebene, dass die Distanz zwischen den Fragen und Sorgen von Studierenden und meinen eigenen Erfahrungen in der beruflichen Praxis immer größer wurde. Das bedeutete natürlich zum einen mehr Wissen und Überblick, stellte aber zum anderen die Frage der richtigen, angemessenen Adressierung. Darum bin ich sehr froh, dass Brotgelehrte gewachsen ist und Studierende im Team sind, die mich aus der Analyse-Paralyse oder der Ungeduld holen und benennen, welche Anliegen sie haben – und sie ggf. auch eigenständig bearbeiten.

Mit diesem Wachstum und diesen Veränderungen gingen Investitionen einher. Als der Blog startete, brauchte ich kein Budget, nur Zeit, Ideen und ein bisschen WordPress. Das konnte ich einfach aus meinen privaten Mitteln leisten, und wenn es mal nicht ging, schwieg der Blog eben. Inzwischen sind wir weit darüber hinaus. “Brotgelehrte” hat mit Julia Zarna eine Redakteurin (im studentischen Nebenjob), braucht von Zeit zu Zeit Support im Webdesign oder in der Datensicherung und wird aufgrund der Datenmenge nicht mehr kostenlos gehostet. Außerdem war und ist es mir ein Anliegen, dass die Beiträge nicht auf der Grundlage von Eindrücken, Stimmungen oder Hörensagen argumentieren, sondern dass wir solide recherchieren, auf dem Stand der Debatten sind und alle Beiträge mindestens eine Feedbackschleife durchlaufen. Dafür kaufen wir Lizenzen, Bücher, manchmal auch selbst Supervision und Coaching. Es ist eine schöne Arbeit, und mich freut sehr, dass wir es geschafft haben, nach einer Phase der Ermattung regelmäßig Beiträge zu posten und wir auch Euch, die Leser*innen erreichen. Und es freut mich sehr, dass es “Brotgelehrte” immer noch gibt.

Diese Veränderungen, die aktuell auch noch stark beschleunigt scheinen, zwingen meinen Blick auf die Situation des Blogs. Ich merke, dass ich nicht unerschöpflich bin – nicht an Ideen, nicht an Zeit, nicht an Mitteln. Darum möchte ich auch dies mit Euch teilen – als Einblick in eine Facette beruflicher Praxis einer Geisteswissenschaftlerin, aber auch mit der offenen Bitte um Unterstützung.

Im Juni hatten wir

  • Download-Einnahmen netto: 1,87€
  • Summe freiwillige Zahlungen: 0
  • Anzahl freiwillige Zahlungen: 0
  • Seitenaufrufe: 3.591
  • Kosten für Redaktion und Text: 143,00€
  • Kosten für Webhosting und Sicherung: 57,50€
  • Summa –198,63€

Was ich mir wünsche:

  • eine ausgeglichenere Energie zwischen Bereitstellung und Nutzung. Oder weniger defensiv: Ein Plus statt eines Minus. Hier könnt ihr uns freiwillig unterstützen (auch gegen Rechnung!). Und natürlich könnt Ihr auch (online-)Coaching oder Workshops buchen oder eines der Brotgelehrte-Dokumente kaufen.
  • Eure Wünsche und Hinweise, was wir verändern sollten, damit der Blog Euch bessere Dienste leistet. Schreibt sie gern in die Kommentare!

Die internen Gespräche, aber auch die Arbeit in Workshops dreht sich immer wieder um die Frage nach der (gesellschaftlichen) Wertschätzung kulturwissenschaftlicher Arbeit und geisteswissenschaftlichen Wirkens. Mein Eindruck ist, dass uns selbst ganz wesentlich diese Wertschätzung unserer eigener Arbeit und unseres Wirkens fehlt. Ich wünsche mir eine bestärkende geisteswissenschaftliche Kultur, die natürlich als Teil ihrer Kernidentität Kritik übt und (hinter)fragt, aber es auch schafft, die dafür nötige Nahrung aus Lebensfreude, Erkenntnisrausch, Ressourcen und Selbstwert zu pflegen.

Eure Brotgelehrte.

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