Interview mit Linda Brekoff

Linda Brekoff studiert an der WWU Münster Skandinavistik und Kultur- und Sozialanthropologie. Sie bietet auf Youtube Yoga-Tutorials unter dem Namen maycandras_happiness . So lautet auch das Instagram-Profil — dort findet ihr Anregungen zur pflanzenbasierten Ernährung. Linda und Mareike lernten sich im Rahmen des Workshops „Spezialist*in oder Generalist*in“ beim Career Service der WWU kennen; hier kamen sie zur spezifischen Fragen der Berufsorientierung und Laufbahnplanung von Vielbegabten ins Gespräch.

Agile Laufbahnplanung und Leadership von Hoch- und Vielbegabten hat sich in den vergangenen Jahren als weiterer Arbeitsschwerpunkt von Mareike Menne bzw. Brotgelehrte entwickelt und ist nun in neuen Angeboten systematisch-didaktisch gefasst – schaut vorbei.

Doch nun zum Interview; die Fragen stellte Julia Zarna.

Brotgelehrte: Du studierst Skandinavistik und Kultur- und Sozialanthropologie. Warum hast du dich für diese Studiengänge entschieden?

Linda: Die Entscheidung für dieses Studium hat eine etwas längere Geschichte. Ursprünglich studierte ich VWL, war damit jedoch unzufrieden, nachdem Englisch aus dem Studiengang gestrichen wurde. Nach einem Aufenthalt in China hatte ich mich zunächst für Chinastudien/Skandinavistik eingeschrieben, da ich Chinesisch als Sprache spannend fand und Schweden mich als Land schon länger reizte. Ich wollte gerne Astrid Lindgren und andere Autoren im Original lesen können und kann mir auch heute gut vorstellen, zeitweise in Schweden zu arbeiten.

Nach einiger Zeit wurde mir jedoch bewusst, dass ich mich bei der Kultur nicht nur auf Schweden und China begrenzen wollte, sondern auch andere Kulturen kennenlernen wollte. Darum habe ich dann Chinastudien mit Kultur- und Sozialanthropologie ersetzt.

Brotgelehrte: Hattest du eine präzise Vorstellung davon, welche Berufe du nach dem Abschluss ausüben kannst?

Linda: Als ich mit dem Studium begonnen habe, hatte ich noch keine genaue Vorstellung. Im Vordergrund stand anfangs das Lernen von Sprachen. Nach und nach kristallisierten sich dann einige Tätigkeitsfelder heraus, die ich mir beruflich vorstellen könnte, wie Öffentlichkeitsarbeit oder das Arbeiten für eine NGO.

Brotgelehrte: Du beherrschst viele Fremdsprachen. Neben klassischen Schulfächern wie Englisch und Französisch hast du dir während deiner Zeit an der Universität auch Grundkenntnisse in Chinesisch, Finnisch, Schwedisch und Altwestnordisch angeeignet. Woher kommt die Faszination für Sprache? Wie leicht oder schwer fällt es dir, eine Sprache zu erlernen? Hast du eine „Lieblingssprache“?

Linda: Woher die Faszination kommt, weiß ich nicht genau, sie war einfach da. Mein Opa hatte mal erzählt, dass er zeitweise für die Amerikaner gedolmetscht hat. Außerdem hat mir meine Oma auf meinen Wunsch als Kind das Lesen der Fraktur-Schrift beigebracht. Es fiel mir schon immer leicht, Vokabeln zu lernen, und ich habe mit vierzehn Jahren mit dem Lesen englischer Autoren begonnen. Mich hat es gereizt, mich auf Reisen in der jeweiligen Landessprache verständigen zu können und so einen besseren Zugang zu Land und Leuten zu finden. Je nach Struktur lässt sich eine Sprache sehr schnell lernen. Vor allem die germanischen und romanischen Sprachen haben in Bezug auf Grammatik und logischen Aufbau viele Gemeinsamkeiten mit Deutsch. Schwedisch konnte ich bereits nach zehn Monaten Studium (zwei Sprachkursen) relativ fließend sprechen, was sich dann im Praktikum an einer schwedisch-sprachigen Schule als sehr praktisch erwies. Für Sprachen ohne Alphabet oder mit völlig anderen grammatikalischen Regeln, wie bei Chinesisch und Finnisch, braucht es deutlich länger, um sich gut verständigen zu können. Da hilft nur regelmäßige Übung, ansonsten wird das Wissen leider schnell auf dem „mentalen Dachboden“ verstaut. Aktuell ist Schwedisch meine Lieblingssprache. Das kann sich aber in Zukunft auch wieder ändern.

Brotgelehrte: Neben deinen breitgefächerten Sprachkenntnissen hast du auch eine Leidenschaft für Sport, insbesondere für Yoga. Seit ca. zwei Jahren unterrichtest du beim Hochschulsport Yoga. Wie kamst du zum Yoga? Und was veranlasste dich dazu, diese Leidenschaft zu professionalisieren?

Linda: Den ersten Kontakt mit Yoga hatte ich 2009 auf einer Freizeit-Messe, wo eine kostenlose Probestunde angeboten wurde. Den anschließenden Kurs bei der Lehrerin konnte ich mir damals allerdings nicht leisten. Später habe ich dann Yogakurse beim Hochschulsport besucht und über YouTube zuhause geübt.

Yoga hat mir in einer etwas schwierigen Zeit sehr geholfen. Daraus hat sich der Wunsch entwickelt, auch anderen Menschen damit helfen zu können. Da ich noch nicht wusste, ob es mir Spaß machen würde, zu unterrichten, habe ich mich zunächst sehr spontan für eine B-Trainer-Lizenz entschieden, die über den Hochschulsport angeboten wurde. Nachdem ich dann angefangen hatte, Yoga weiterzugeben, und erfuhr, wie erfüllend diese Tätigkeit ist, folgte die A-Trainer-Lizenz. Aktuell mache ich eine zweijährige Yoga-Ausbildung, damit ich anschließend (nach der Prüfung durch die ZPP) auch Präventionskurse unterrichten darf.

Brotgelehrte: Wie kannst du diese vielen Begabungen und Wissensbestände in eine gute berufliche Praxis bringen? Kannst du dir vorstellen, als Freiberuflerin zu arbeiten? Worin würdest du die Vorteile, worin die Nachteile sehen?

Linda: Ich kann mir durchaus vorstellen, freiberuflich zu arbeiten. Einen großen Vorteil sehe ich in der freien Zeiteinteilung und Flexibilität. Die Nachteile sind schwankendes Einkommen und Auftrags-Unsicherheit. Momentan stelle ich mir ein Modell mit zwei Jobs vor. So habe ich einerseits die Sicherheit einer festen (Teilzeit-)Anstellung, aber gleichzeitig noch genug Zeit, um selbstständig zu arbeiten und Yoga zu unterrichten.

Brotgelehrte: Deine Fähigkeiten und Kompetenzen sind sehr unterschiedlich und breit gefächert. Bist du Generalistin oder vielbegabt?

Linda: Ich sehe mich als vielbegabte Scanner-Persönlichkeit an: Es gibt so viele spannende Themen, über die ich gerne mehr wissen möchte, und ich entdecke immer wieder Neues. Themen wie Ernährung, Yoga und Nachhaltigkeit interessieren mich nun schon seit vielen Jahren, und in der Zeit habe ich mir darüber auch einiges an Wissen angeeignet. Bei manchen Themen reicht es mir allerdings auch, nur an der Oberfläche zu kratzen (sie „zu scannen“) und etwas Basiswissen zu erlangen – oder zu verstehen, wie etwas funktioniert.

Brotgelehrte: Siehst du in Bezug auf Beruf, Karriere und Arbeitsmarkt Vor- oder Nachteile darin, vielbegabt zu sein?

Linda: Den größten Vorteil sehe ich für mich darin, dass ich mich in neue Bereiche unglaublich schnell einlesen bzw. einarbeiten kann, wenn sie mein Interesse geweckt haben. Ich schaue gerne über den Tellerrand und bin offen für innovative Ideen oder „outside-the-box-thinking“. Besonders komplizierte Probleme löse ich gerne, da sie mich richtig herausfordern. Routinearbeit fällt mir dagegen schwerer. Deshalb arbeite ich unheimlich gerne mit Menschen, die der Arbeit einen neuen unbekannten Faktor hinzufügen und sie dadurch abwechslungsreich machen.

Brotgelehrte: Wenn du dir einen Beruf „basteln“ könntest, wie würde er aussehen?

Linda: Ich würde gerne mit meinem Beruf einen Beitrag dazu leisten, die Welt ein Stückchen besser zu machen. Ein Traum wäre eine halbe Stelle bei einer Organisation im Bereich Tierschutz und Umwelt. Am meisten würde mir Öffentlichkeitsarbeit zusagen, wo ich auch Texte zu (pflanzenbasierter) Ernährung oder Yoga schreiben könnte. Daneben werde ich auf jeden Fall weiter Yoga unterrichten, kann mir aber auch Projekte vorstellen, in denen Yoga dazu dient, zwischen verschiedenen Kulturen zu vermitteln.

Brotgelehrte: Vielen Dank und alles Gute auf Deinem Weg!

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